Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit und Charles Darwin

Unter Nachhaltigkeit wird im Allgemeinen Generationengerechtigkeit verstanden. Zukünftige Generationen sollen durch die Bedürfnisbefriedigung der gegenwärtigen Generation keine Einbußen an Lebensqualität erleiden. Dieses Ziel erstreckt sich auf Ökologie, Umwelt, Soziales, Beziehungen, Kultur und Wirtschaftsethik.

Ein Bild von Andreas Oelerich
Von Andreas Oelerich
Die UN haben in den letzten Jahren ehrgeizige Ambitionen benannt, die auf einen umfassenden Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft hinauslaufen. Das Zielsystem ist komplex, es umfasst nicht nur ökologische, soziale und ethische Aspekte, sondern schließt explizit auch Verhaltensweisen im unternehmerischen Handeln mit ein. Durch die globalen Zusammenhänge des Klimas, der Ökologie und der Wirtschaftsaktivität sind implizit alle Nationen aufgerufen, sich zu beteiligen. Es geht um ein großes Oberziel, das konkurrierende Unterziele enthält.

Die Politik forciert aktuell stärker denn je die Umsetzung der UN-Ziele. Sie schreibt Großkonzernen die sogenannte „non-financial“-Berichterstattung vor, bei der es inhaltlich vor allem um die Nachhaltigkeit eines Unternehmens geht. Früher waren dies freiwillige Angaben, heute sind sie für größere Unternehmen Pflicht. Banken sollen zukünftig die Nachhaltigkeit in die Vermögensberatung der Privatkunden integrieren und dabei die Nachhaltigkeitsrisiken in das Risikomanagement integrieren. Die Kreditkosten der Bankkunden sind davon ebenso abhängig wie die Margen der Banken.

Man wird sich anpassen müssen. Der Prozess von der gegenwärtig noch schwachen Nachhaltigkeit zur erstrebten vollkommenen Nachhaltigkeit ist die Transformation von der so oft gesprochen wird. Dabei sollen nicht nur „dreckige” in „saubere” Technologien transformiert werden, sondern auch soziale Aspekte wie beispielsweise die Gleichstellung mit ihren vielen Ausprägungen (Geschlecht, Herkunft, Religion etc.) Berücksichtigung finden. Der faire Wettbewerb und gerechte, verantwortungsvolle Unternehmensführung bleiben ein Leitbild.

All das kommt auf die Unternehmen mit der Macht einer Naturgewalt zu. Die Herausforderungen sind so vielfältig, dass sie an ein berühmtes Zitat von Charles Darwin erinnern: „Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am anpassungsfähigsten auf Veränderungen reagiert.“ Die Unternehmer, Lenker und Verantwortlichen mögen über Nachhaltigkeit persönlich denken was sie wollen, wer Darwin nicht im Kopf hat, wird sein Unternehmen vermutlich in turbulentes Fahrwasser führen. Die politischen Richtlinien lassen den Unternehmen gar keine andere Wahl: Sie müssen sich den Herausforderungen der Nachhaltigkeit stellen – je früher, desto besser.

Was heißt das für die Nachhaltigkeit?

Ein Gleichschritt aller Beteiligten ist erforderlich. Das geht nur ganzheitlich. Der notwendige gesellschaftliche Wandel hin zur Nachhaltigkeit sollte daher nicht nur einseitig durch Bankvorgaben initiiert oder abverlangt werden. Die Unternehmen und die privaten Haushalte sind einzubeziehen. Insbesondere müssen Unternehmen (allen voran die KMU und Kleinstunternehmen) darauf vorbereitet werden, dass sie Informationen zur Nachhaltigkeit zu liefern haben. Da stellt sich nun eine zugegebenermaßen fast zynische Frage: Muss ein Kioskbetreiber zukünftig Informationen darüber liefern, inwiefern seine Produkte (Tabak, Alkohol, „Schmuddelblätter“) zur geforderten Nachhaltigkeit passen, wieviel CO2 er verbraucht und ob seine Hilfskräfte einen fairen Arbeitsvertrag mit familienfreundlichen Arbeitszeiten haben?

Banken stecken in der Zwickmühle: Sie finanzieren die „alte Welt” und müssen nun die „neue Welt” beurteilen. Sie müssen sich also Wissen darüber aufbauen, wie die Wirtschaftstransformation genau aussieht, und Nachhaltigkeitsrisiken bewerten. Der Blick geht weg von der Vergangenheit (Jahresabschlussdaten) und richtet sich auf die Bewertungen der zukünftig etablierten Standards und Technologien. Mittelfristig werden nicht alle Produkte überleben (Verbrennungsmotoren, Plastikstrohhalme, Gasheizungen) und es wird neue Produkte geben. Für Banken ist das eine Gratwanderung mit hohen Ansprüchen in der Kommunikation und technologischer Weitsicht. Fehlbeurteilungen könnten sehr teuer werden.
Diesen Artikel teilen:

Mehr Artikel zum Thema